Geschichte des Salzstetter Schlössle

Die Erbauer Schütz und deren Nachfolger

Im Jahre 1470 kaufte Michel Schütz von Ludwig von Emershofen einen Teil von Salzstetten. Als er im Jahre 1503 verstarb, erhielt sein ältester Sohn Michel den Stammsitz Burg Eutingertal und Sebastian das halbe Dorf Salzstetten. Sebastian wollte sicherlich einen herrschaftlichen Sitz schaffen und baute deshalb 1514 das Salzstetter Schlössle, was durch die dendrochronologische Untersuchung am Holz festgestellt wurde. 1524 verstarb Sebastian Schütz, sein Sohn Michel starb ebenfalls sehr früh um 1530 und hinterließ einen minderjährigen Sohn namens Hans Ulrich. Dieser heiratete 1554 Amalie von Ehingen. Da die Räume vermutlich zu klein wurden, haben im Jahre 1564 verschiedene Umbauten im Gebäude statt-gefunden (Jahreszahl am Eckquader südöstlich). Hans Ulrich wohnte fast 50 Jahre im Schlössle, als er im Jahre 1589 verstarb. Gall Schütz wurde sein Nach-folger. Da die Familien Schütz über die Jahre hinweg immer wieder Geld aufnehmen mussten, verkauften die Vormünder im Jahre 1611 das Schloss in Salzstetten und den halben Flecken an Melchior Thumb von Neuburg für 24 000 Gulden. Somit geht die Ära Schütz in Salzstetten zu Ende. 1663 ging der Besitz der Familie Thumb an das Spital in Horb über. Im Jahre 1667 verkauften der Bürgermeister, das Gericht und der Rat der Stadt Horb, auch im Namen des Spitals, das Schlössle an Jakob Steimlin, Baltas Dettling und andere Bürger von Salzstetten. Die Urkunde gab es bei der Gründung des Fördervereins als Willkommensgeschenk für die neuen Mitglieder.

Eintrag Kaufbuch Band IX Seite 104 von 1852

Der Text lautet:  Verkauft wird   1.tens   An   Die Gemeindepflege dahier,   Gebäude   27,8 Ruthen Ein weigeschossiges Wohnhaus Scheuer und Hofraum im Schlosshof neben Sonnenwirth Söll und Kronenwirth Dettling und   Gärten   3.3 Ruthen Gemüse Garten beim Haus neben Mathäus Wehle Sattler und dem Wege   um den Kaufpreis zu   350 fl.   Drey Hundert fünfzig Gulden.   Anerkannt Käuferin für sie   Gemeindepflege Wehle

Leopold Kneißler kaufte im Jahre 1830 von Josef Kreidler, Postknecht, den heutigen Teil des Schlössles. So ist es im Ortsarchiv Salzstetten belegt. In den vergangenen 160 Jahren wurden viele Veränderungen an dem Gebäude vorgenommen, was die Untersuchungen durch das Büro Crowell zeigen. Leopold Kneißler, von Beruf Nagelschmied, und Ehefrau Rosalia geborene Gaißer und sechs Kinder wohnten bis zum Tode Kneißlers am 15 Juli 1852 in dem Gebäude Haus Nr. 20. Danach erwarb es die Gemeinde Salzstetten für 350 Gulden.

Am 4. Juli 1857 kaufte Konrad Dettling, Sattler und Gemeinderat, das Anwesen für 450 Gulden. Er wohnte mit Ehefrau Maria geborene Müller und fünf Kindern bis zum 22. April 1896 in dem Gebäude. Wilhelm Dettling, Josefs Sohn, Schneider aus Salzstetten, und Ehefrau Maria Anna geborene Singer kauften an diesem Tag für 1400 Goldmark das Haus. Durch die Vergrößerung der Familie von vier auf neun Kinder wurde der Kauf eines eigenen Hauses dringend nötig, was aber finanziell sehr schwierig war. Wenn man heute durch dieses Gebäude geht, ist es fast unvorstellbar, dass elf Personen mit samt Vieh in so einem kleinen Haus beieinander waren. 

Türsturz W. (Wilhelm) Dettling 1897

Im Jahre 1928 ging das Gebäude an die inzwischen verheiratete Tochter Eleonora, Ehefrau des Adolf Luger, Maurer, zu einem Preis von 1800 Reichsmark über. Zwei Jahre später, also 1930, übernahm die ledige Schwester, Magdalene Dettling, Hebamme, das Gebäude. Nach ihrem Tode wurde die Gemeinde Salzstetten im Jahre 1974 wieder Eigentümer vom Salzstetter Schlössle

 Von Jürgen Erath